Seufzerbrücke
Über das Werk
Friedrich von Nerly hält in „Seufzerbrücke" einen der berühmtesten Blicke Venedigs fest: Die steinerne Verbindung zwischen Dogenpalast und Gefängnis spannt sich im Hintergrund über den Rio di Palazzo, während im Vordergrund eine weitere Brücke den Kanal überwölbt. Die gedämpfte Farbpalette und die dramatische Wolkenstimmung verleihen der Szenerie eine melancholische, beinahe theatralische Atmosphäre, die den romantischen Venedig-Mythos eindrucksvoll transportiert.
Venezianische Architektur im Dämmerlicht
Die Komposition wird von zwei Brücken geprägt, die sich perspektivisch staffeln: Die helle steinerne Bogenbrücke im Vordergrund bildet einen hellen Akzent, während die Seufzerbrücke im Mittelgrund fast wie ein Portal zwischen den mächtigen Palastfassaden erscheint. Links ragt der Dogenpalast mit seiner gotischen Fassade und charakteristischen Maßwerkfenstern auf, rechts begrenzen klassizistische Gebäude den Blick. Das Wasser des Kanals schimmert in kühlen Grau- und Grüntönen, eine Gondel mit Ruderer belebt die Szene. Der Himmel nimmt fast die Hälfte der Bildfläche ein – aufgewühlte Wolkenformationen in Grau, Ocker und zartem Rosa schaffen eine stimmungsvolle Lichtsituation zwischen Tag und Dämmerung.
Dieses Leinwandbild wirkt besonders gut in Räumen mit klassischer oder historischer Einrichtung. Im Wohnzimmer an einer hellen Wand entfaltet die gedämpfte Farbigkeit ihre ruhige Präsenz, im Arbeitszimmer oder in einer Bibliothek unterstreicht das Werk eine kultivierte Atmosphäre. Auch zu warmen Wandtönen in Beige oder hellem Grau passt die Farbpalette schön, ebenso zu dunklem Holz und gediegenen Materialien.
Friedrich von Nerly gehörte zu jenen deutschen Malern des 19. Jahrhunderts, die sich ganz der venezianischen Vedute verschrieben. Er verband romantische Stimmungsmalerei mit präziser architektonischer Darstellung und schuf atmosphärische Stadtansichten, die das Venedig seiner Zeit dokumentieren und zugleich poetisch überhöhen.
Das Werk liegt im Hochformat vor. Ihr Kunstdruck wird individuell in der von Ihnen gewählten Größe gefertigt – dabei kann der Bildausschnitt je nach Format leicht variieren, um optimale Proportionen zu gewährleisten.
Über Friedrich von Nerly
Er begann früh zu zeichnen und sein Onkel, ein Musiker, erkannte schnell dessen künstlerisches Talent. Den ersten Zeichenunterricht erteilte ihm seine Tante, danach sein Onkel Heinrich Joachim Herterich. In dessen Werkstatt machte er auch seine Lehre und erhielt er eine Ausbildung zum Lithografen.
Durch den Partner seines Onkels machte er die Bekanntschaft des Malers Philipp Otto Runge und des Freiherrn Carl Friedrich von Rumohr. Letzterer, ein Historiker, Maler und Kunstsammler nahm den Sechzehnjährigen 1823 als Schüler auf sein Gut Rothenhausen mit und bildete ihn methodisch aus.
1827 nahm Rumohr, seinen inzwischen besten Schüler auf eine ausgedehnte Reise quer durch ganz Deutschland mit, wo sie in Dresden Ludwig Richter und in Weimar Johann Wolfgang von Goethe besuchten. 1828 erreichten sie Italien und verweilten in Florenz und Siena.
Am Ende dieses Jahres reiste Nerly, der von Italien begeistert war, allein nach Rom weiter, wo er bald Anschluss an eine Gruppe deutscher Künstler fand, darunter Koch, Veit, Cornelius, Overbeck und Preller d.Ä. Ab sofort änderte er auch seinen Namen in „Federico Nerly“.
Auf seinen Reisen ins römische Umland und in den Süden der Halbinsel entstanden effektvoll arrangierte, originelle Landschaftsansichten, die bei seinen späteren Venedigbildern als Staffage Verwendung fanden.
In Rom wurde er durch seiner Lebensfreude und seine gesellschaftliche Gewandtheit bald zum Mittelpunkt der deutschen Künstler und dadurch Vorsitzender der Ponte-Molle-Gesellschaft. Er hatte die bis zu seiner Abreise 1835 die Leitung der Cervaro-Feste, Kostümfeste die die neu angekommenen Künstler mit humorvollen Initiationsriten willkommen hießen.
Er ließ sich Ende Oktober 1835 endgültig in Venedig nieder und malte Bilder von der Lagunenstadt, mit denen er bald weithin bekannt wurde. Zu den wohl bekanntesten und beliebtesten Arbeiten zählt das Gemälde „Piazetta bei Mondenschein“das er sechsunddreißig mal anfertigen musste.
Durch sein Ansehen, das er durch seine Aquarelle und Ölbilder, die meist Venedigs Paläste, Kanälen und Gondeln in dramatischer Beleuchtung thematisierte, wurde er von der ortsansässigen Kunstakademie als Mitglied aufgenommen.
In Venedig lernte er 1837 eine Frau aus der venezianischen Gesellschaft kennen und heiratete die Adoptivtochter eines reichen Marchese und bekam mit ihr einen Sohn, der auch Künstler wurde. Sein Atelierbetrieb entwickelte sich sehr geschäftsmäßig um die steigende Nachfrage der Italienreisenden mit den beliebten Venedig-Ansichten zu versorgen.
Zu seinen wenigen Kontakten, die er nach Deutschland hatte, gehörte der Maler Eduard Gerhardt aus Erfurt, der ihn ab 1841 in Venedig besuchte und mit ihm arbeitete. Als Anerkennung für seine Werke verlieh ihn 1852 König Wilhelm I von Württemberg das Ritterkreuz 1. Klasse, das mit der persönlichen Adelung verbunden war.
Nach seinem Tod am 21. Oktober 1878 vermachte sein Neffe den gesamten künstlerischen Nachlass der Stadt Erfurt und legte damit den Grundstein für die Galerie im Angermuseum.
So wirkt es an Ihrer Wand
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